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Kommentar

Tempelhofer Feld
Schlimmer geht immer – Volksentscheid von oben

In Zeiten des Klimanotstandes eine Freifläche, die nachweislich das grösste Kaltluftentstehungsgebiet unserer Stadt ist, also das Tempelhofer Feld, teilweise bebauen zu wollen, zeugt von Ignoranz.
Das sieht die Berliner „Freie Demokratische Partei“ (FDP) anders.
Als selbsternannte Partei der Besserverdienenden scheint die FDP die Wohnungsknappheit in Berlin als Wahlkampfthema entdeckt zu haben. Dies soll ihr scheinbar bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin (AGH) im Jahr 2021 über die Fünf-Prozent-Hürde (AGH 2016: 6,7%) helfen und die derzeitigen 12 Sitze sichern. Welche Wähler sie dabei im Auge hat dürfte auch klar sein.
In Neukölln brachte die FDP es 2016 bei der Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung (BVV) auf 4,2% und somit 2 Sitze, nicht gerade üppig.

Nun deutet die FDP kurz vor Jahresende 2019 Volksentscheid (VE) in ‚Parteientscheid‘ um, reichte eine kurze „Neufassung des Gesetzes zum Erhalt des Tempelhofer Feldes“ (ThFG) ein und stellte bei der Berliner Landeswahlleitung den Antrag auf Kostenschätzung für ein erneutes Volkbegehren zum T-Feld. Sollte dieses genehmigt werden, könnten ab etwa Ende Januar 2020 für die erste Stufe die benötigten 20.000 Unterschriften gesammelt werden.

Hintergrund ist das angeblich geänderte Meinungsbild der Berliner zum Wohnungsbau auf dem Tempelhofer Feld.
Dubiosen Umfragen zufolge wären die Berliner jetzt mehrheitlich für eine Randbebauung des Feldes. Die von der FDP geforderten 12.000 Wohnungen im Randbereich sind doppelt so viel, wie sie der 2014 eindeutig abgelehnte „masterplan“ vorsah. Zu vermuten ist, dass „Czaja & Co.“ von ihrer Tegel-Pleite zur Offenhaltung des dortigen Flughafens ablenken möchten. Dort könnte sich die FDP allerdings sinnvoller Weise für Bau, am besten „Sozialen Wohnungsbau“ einsetzen.

Um es mit Kalles Worten aus einer Neuköllner Eckkneipe kurz und knapp auf den Punkt zu bringen:
„Parteipolitischen Volksentscheid von oben sponsort by Baulobby mit doppeltem masterplan“ braucht niemand!“

Erstaunlich ist ohnehin, dass viele das Tempelhofer Feld als „Fläche zur Lösung diverser Berliner Probleme“ ansehen. Ob IGA, Hertha-Stadion oder Sportflächen ohne Ende, etc. alles rauf aufs T-Feld.

LINKE und GRÜNE -zwar in den eigenen Reihen auch nicht ganz einig- positionieren sich klar zum Erhalt des Tempelhofer Feldes in seiner jetzigen Art und Weise.
Die SPD wollte dort schon immer eine Randbebauung sowohl mit „bezahlbaren“ Wohnungen als auch mit Gewerbe. Bezahlbar soll ja wohl „günstig“ und für Menschen mit ‚kleinen Einkommen erschwinglich‘ suggerieren. Glücklicherweise glaubten die Berliner das schon 2014 nicht und es ist nicht zu vermuten, dass die Berliner in den letzten fünf Jahren verblödet sind und jetzt darauf hereinfallen.
Die CDU würde das Feld gerne mit dem „Tempelhofer Wald“ aufforsten, dann hätte sich das mit der Kaltluftentstehung auch erledigt, dafür gäbe es dann viel Schatten und wenig Weitblick. An dem mangelt es nicht nur der CDU, sondern auch dem Evangelischen Friedhofsverband Berlin-Brandenburg, der seine Bauherrenleidenschaft entdeckt hat. Im Bereich der Hermannstrasse liegen einige von ihm bewirtschaftete Friedhöfe, die er im Laufe der nächsten Jahre zu bebauen gedenkt. In Richtung Tempelhofer Feld dürften die Häuser dann auch gerne etwas höher als vier Etagen werden. Unnötig zu erwähnen, dass die geplanten Gebäude mitten in die Abzugsschneisen der Kaltluft vom T-Feld plaziert werden sollen.

Das Tempelhofer Feld sowie andere Freiflächen zu bebauen ist in Zeiten des Klimanotstandes und verstärkt zu betreibenden Artenschutzes kurzsichtig, bösartig und gesunheitsschädlich. Wer Grün- und Freiflächen zupflastern als Stadtplanung versteht, vertikale Gärten als Lösung des Problems ansieht und Volksentscheide willkürlich von oben anstatt von Bürgerinitiativen getragen propagiert, braucht sich nicht zu wundern wenn die Mitglieder davonlaufen.

Beate Storni, Feldkoordinatorin
05. Januar 2020